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YouTuber- und Autorenleben: Warum du sein musst, was Fans in dir sehen wollen.

TLDR: Fiktion als »Safe Space« für marginalisierte Heranwachsende und unsere Verantwortung als Medienschaffende und »Medienfiguren«.

african american man using laptop with youtube website and smartphone with skype
Quelle: LightFieldStudios (Envato)

Ach so, ich hab ja auch noch eine Website! Den folgenden Text verfasste ich für Facebook, aber da er mir für dort fast zu schade schien und ich nicht wollte, dass er im Grundrauschen untergeht oder der Beliebigkeit zum Opfer fällt, wollte ich ihn an gesonderter Stelle herausstellen. Dies scheint mir der geeignete Ort zu sein.


Lose Gedanken aus gegebenem, aber unspezifischem Anlass:

Als LGBTQ-Teenager wächst du in einer feindseligen Welt auf, die dich wissen lässt, dass du nicht okay bist und die dich lehrt, dich vor dir selbst zu ekeln. Viele von uns haben die Alltagshomophobie, die wir als Kinder und Jugendliche erfahren haben, internalisiert und gelernt, sie unbewusst, aber autoaggressiv gegen uns selbst zu richten. Es ist ein ständiger Kampf gegen Minderwertigkeitskomplex und Depression, den einige ihr Leben lang in sich tragen und ausfechten. Ich zähle mich dazu.

Obiges schreibe ich ohne Bitterkeit – dies ist kein Mimimi, keine Abrechnung und kein Vorwurf, nur das neutrale Konstatieren eines Umstands. Unser Umfeld hat uns zu dem gemacht, was wir sind, im Guten wie im Schlechten.

»Safe Spaces« sind wichtig. Ich denke, was mich als Jugendlichem, wie viele andere, vor dem Aufgeben bewahrt hat, waren Rückzugsorte, an denen ich mich sicher fühlen konnte. Orte, zu denen ich kontrollieren konnte, wer Zutritt erhält und wer nicht. In meinem speziellen Fall war der wichtigste der Raum hinter meiner Stirn. Meine Phantasie und die zeitweise Flucht in fiktive Welten haben mich durch Momente gerettet, an denen ich andernfalls verzweifelt wäre.

Nicht alle dieser Welten habe ich selbst erschaffen. Die meisten entstammten Serien, Filmen oder Büchern. Die Figuren dieser Werke – und ihre Schöpfer gleichermaßen – waren Freunde, Beschützer, Heldenfiguren. Vor ihnen musste ich mich nicht dafür verantworten, dass ich nicht so war, wie andere es erwarteten. Sie akzeptierten mich, wie ich war – denn zu diesem Zweck hatte ich sie in meinem Kopf erschaffen. Ich würde den realen Menschen hinter diesen Geschichten nie begegnen, also konnte ich sie in meiner Phantasie so sein lassen, wie sie sein mussten, damit ich mich in ihrer Nähe sicher fühlen konnte.

Die Realität sieht natürlich anders aus. Heute bin ich selbst ein solcher »Macher« und weiß, dass Fans eine ebensolche Kunstfigur in mir sehen wie ich einst in meinen Helden. Ich weiß, dass es ein Anspruch ist, dem mein wahres Ich nie gerecht werden kann – ein unperfekter Mensch, den ein unperfektes Umfeld geformt hat. Das beste, was ich tun kann, ist, ihre Illusion nicht zu zerstören – und die bestmögliche Version dieses Kerls zu projizieren, die ich sein kann.

Es ist im Grunde wie mit meinen Romanen. Die Figur Ben Calvin Hary ist ein Kunstprodukt, eine Performance – das bin nicht ich. Ich verkörpere sie, doch sie gehört mir nicht. Sie hat das zu sein, was die Fans in ihr sehen wollen. Und das ist in Ordnung so. Das ist das, was meine Helden für mich getan haben und was ich nun anderen zurückgeben kann.

Denn ich weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn man erfährt, dass die Heldenfigur eben nicht makellos ist, sondern unperfekt. Bestenfalls stellt sich der verehrte Promi im Gespräch mit Fans als Rüpel heraus. Schlimmstenfalls erfährt man, dass der oder diejenige zeitlebens homophob aus Überzeugung war – also einer von denen, vor denen man überhaupt in seine innere Welt fliehen musste. Und so jemandem hat man einen Platz an seinem Rückzugsort, ja, in seinem Herzen gewährt?

Das fühlt sich nicht bloß wie ein Verrat an. Es zieht einem das Sicherheitsgefühl wie einen Teppich unter den Füßen weg. Es ist, als würde man nach einem Einbruch zum ersten Mal wieder allein in der versehrten eigenen Wohnung schlafen: Grenzen wurden überschritten, Barrieren verletzt, die Illusion der Geborgenheit zerstört. Man fühlt sich in seinem Safe Space nicht mehr sicher.

So geht es mir oft bei der Recherche über die persönlichen Hintergründe jener Menschen. Gelegentlich wünsche ich mir, ich hätte nie mehr über sie erfahren und das Bild, dass der junge Ben sich über sie gemacht hat, unangetastet gelassen.

Medienschaffende haben eine Verantwortung ihren Konsumenten und Fans gegenüber. Es ist unser Job, dafür zu sorgen, dass sie sich bei uns sicher und willkommen fühlen und dass sie das ohne Angst und schlechtes Gewissen tun dürfen. Wenn wir dafür in ihren Augen jemand sein müssen, der wir nicht sind, ist das ein kleiner Preis. Wer ihn nicht zu zahlen bereit ist, hat in einer solchen Position nichts verloren.

Autor sein – ist das erlernbar?

Kann man Schriftstellerei lernen, oder ist man gezwungen, sein Leben lang mit dem Schreibtalent auszukommen, das man seit Geburt hat? Ich beleuchte ein wenig, wie mein Werdegang zum Profi-Autor war und spreche über Schreibratgeber, Seminare, Schreibkurse und Feedback von außen.

An dieser Stelle unterbreche ich das Experiment „Anatomie eines Genres: Science Fiction“, um noch mal zwei oder drei „Reguläre“ Folgen von IHDA rauszuhauen. Enjoy!

Justin und ich – eine (unglückliche) Love-Story

Verwenden wir diesen Blog mal wieder als YouTube-Linkschleuder: Hier einmal mehr ein älteres Video von mir, das noch ein paar Views braucht. Ich über meine unglückliche Beziehung mit Justin Bieber.

Offener Brief an dieses Internet

Ein Auszug von meiner Facebook-Seite:

Es gibt wenige Phänomene, die mich so fassungslos und traurig machen wie Shitstorms.

Zwar weiß ich, dass so etwas in der Regel nur das Gekläffe lautstarker Minderheiten ist. Mir jedoch fällt jedes Mal schwerer zu glauben, dass die Menschheit nicht größtenteils einfach nur aus reaktionärem Abschaum besteht.
Wenn du dich angesprochen fühlst: Dafür kann ich nichts, das ist das, was du für dich aus diesem Statement machst. Ansonsten ist das mein subjektiver Eindruck. Aber ich lade dich ein, mir im Dialog zu begegnen und mir zu zeigen, dass ich mich irre. Und mir bleibt die Hoffnung, dass mir dergleichen bisweilen erspart bleibt.

Recherche 2.0: Wie ich doch noch aufs Longboard stieg

„Alter, was geht?“, ist eine Frage, mit der ich mich in den vergangenen Tagen in verschiedensten Varianten immer wieder auseinander setzen musste. Auf der Straße werde ich mit skeptischen, eigenartigen Blicken bedacht. Leute scheinen plötzlich Angst vor mir zu haben. Und das nur, weil ich mir ein neues Spielzeug zugelegt habe.

Falls sich demnächst jemand über die Schrammen wundert. Zum Thema „ich muss nicht jeder Laune impulsiv nachgehen“.

Ein von Ben Hary (@bencalvinhary) gepostetes Foto am

 

Vergangene Woche schrieb ich noch, dass ich mich niemals auf ein Skateboard stellen würde. Aber nach mehreren Tagen der Immersion in die Skater-Szene durch mittlerweile ungezählte Skateboarding-Videos und Totorials auf Youtube hat es mich dann doch gepackt. Wenigstens habe ich eine gute Ausrede: Recherche für einen Roman. Write what you know und so; Eine meiner Hauptfiguren ist Skater, und was ich aus eigenem Erleben kenne, kann ich glaubhafter schildern als etwas, worüber ich nur gelesen habe. Die Wahrheit aber ist: Ich hatte einfach Bock darauf. Und meine besten Kaufentscheidungen waren bislang immer die, die ich aus dem Bauch heraus getroffen habe. Davon abgesehen: Skater sind sexy, und wer will nicht selbst sexy sein?

Also auf in den nächsten Skateshop und beraten lassen: Skate- oder Longboard? Was passt zu mir, was will ich erreichen, was hab‘ ich mit dem Ding vor? Schließlich ist es ein Cruiser geworden, also für Laien: So eine Art Mittelding aus Skate- und Longboard, nix für die Half Pipe, aber immerhin mit Kicktail, wenn man auch mal nen‘ Ollie üben will. Die ersten Stunden mit dem neuen Board sind aufregend und ein wenig furchteinflößend. Auf dem Weg zum Parkplatz stelle ich mich ein erstes mal aufs Brett. Sofort fällt mir wieder ein, warum ich es als Kind so gehasst habe.

 

Fahren ist easy. Bremsen ist das Problem. Warum muss ich grad an Tempel des Todes denken?

Ein von Ben Hary (@bencalvinhary) gepostetes Foto am

 

Wer jetzt das Zitat „Fliegen? Ja. Landen? Nein“, im Hinterkopf hat, denkt in die richtige Richtung. Aber mir ist klar: Das Hinfallen gehört zum Sport dazu wie das Danebenzielen zum Bogenschießen. Zwei Tage später, wo ich die ersten Stürze und Blessuren hinter mir habe, hat der Schmerz seinen Schrecken verloren und ich kann mich auf’s Fahren konzentrieren. Stehenbleiben ohne runterzufallen, das ist ist das erste was man lernen muss. Oh, und anhalten und absteigen, ohne sich dabei auf die Fresse zu legen. Alles nicht so einfach, wie’s im Video aussieht.

 

Trying very hard to make it look casual.

Ein von Ben Hary (@bencalvinhary) gepostetes Foto am

 

Eines steht fest: Ich werde in diesem Leben sicher kein Tony Hawk mehr und auch kein Ryan Sheckler. So viel gesunde Selbsteinschätzung habe ich. Ich werde diesen Quatsch auch sicher nicht sehr lange betreiben, weil ich in der Regel ebenso schnell, wie ich Feuer für eine Sache fange, auch wieder das Interesse daran verliere. Das wird hier nicht anders sein. Aber es gibt einen Aspekt am Sport, der mich immer reizen wird und den er spannender weise mit der Schriftstellerei gemeinsam hat. Beides kann man sich nämlich zwar beibringen lassen, aber es gibt genau eine Methode, es wirklich zu lernen: Aufsteigen, hinfallen, aufstehen, wieder aufsteigen, weiterfahren. Wieder. Und wieder. Und wieder. So lange, bis man irgendwann nicht mehr so oft fällt, oder wenigstens keine Angst mehr davor hat. Und je öfter ich mich dabei auf die Schnauze lege, desto ein besserer Skater wird Leon. Und in dem Moment ist mein Scheitern auch wieder Roman-Recherche.

Der zähe Weg zum Eisenmond

Als Autor hat man selten mehr als nur ein Projekt zur selben Zeit. Jeder einzelne Text ist wie ein eigenes Kind, das man ausbrütet. Manchmal dauert die Schwangerschaft mehrere Jahre. Und nicht alle unserer Kinder sind gelungen. Einige sind sogar regelrechte Problemkinder.

Eines dieser Problemkinder ist in meinem Fall der Roman „Eiserner Mond“, den ich Ende 2014 als „Zwischendrin-Projekt“ angefangen hatte. Ursprünglich hätte das ein zweiter FanEdition-Roman für die PRFZ werden sollen, aber dann entwickelte sich der Text rasch in eine andere Richtung. Im letzten Jahr war folglich der Hashtag #eisenmond regelmäßig in meiner Facebook-Timeline zu lesen. Und jetzt? Nada! Nix! Funkstille!

Was also ist passiert? Ist der Eiserne Mond, wie so viele unfertige Manuskripte zuvor, in der Schublade, gar im Giftschrank gelandet?

Nichts dergleichen. In Wahrheit kam einfach das Leben dazwischen. 2015 war insgesamt erfolgreich, aber es war kein gutes Schreibjahr für mich. Umzug, Hausbau, Job und Todesfall im näheren familiären Umfeld machten die Arbeit am Roman schwer bis unmöglich. Mit teilweise weniger als 10 Minuten Autoren-Arbeitszeit je Tag schleppte ich mich durch den Text. Trotzdem waren im November 2015 zwei Drittel der überarbeiteten Rohfassung fertig. Und dann kam Rastatt.

Die Arbeit an meinem ersten PERRY RHODAN-Roman forderte meine Aufmerksamkeit, so dass ich den „Eisenmond“ hinten anstellen musste. Dann passierte das unvermeidliche, was jedem Autoren passieren muss der erstmals durch die – wie ich es liebevoll nenne – „Schreibschule Frick“ gegangen ist. Anstatt einfach nur in meinem Talent bestärkt zu werden, lernte ich auch, was ich bis Dato alles noch nicht konnte, und vor allem, was ich in meiner einjährigen Nebenbei-Schreib-Phase schon wieder verlernt oder vergessen hatte. Und irgendwann kam mir die Erkenntnis: Wenn ich alles, was ich jetzt neu aufgeschnappt, vertieft oder aufgefrischt habe, konsequent auf den „Eisenmond“ anwende, muss ich ihn vermutlich komplett umschreiben. Und genau das werde ich auch tun.

Natürlich nicht das ganze Buch. Aber ich habe festgestellt, dass der explorative Ansatz, den ich beim Eisenmond mehr oder weniger verwendet habe, nicht mit meiner Arbeitsweise zusammengeht. Ich bin ein Plotter, ich brauche ein Exsosé, also eine Reiseroute, die mir den Weg vorgibt. Ein solches Exposé gab es zwar für den Eisenmond, aber die Geschichte hat sich so weit von dieser Vorgabe weg entwickelt, dass beide nicht mehr viel miteinander gemeinsam haben. Mein Plan für 2016 also: Den Eisenmond Kapitel für Kapitel nehmen und nochmal dramaturgisch überarbeiten, bis er wirklich glänzt. Wann ich das mache, das weiß ich noch nicht. Nachdem ich ein Jahr lang daran herum gewurschtelt habe, will ich den Text noch etwas ruhen lassen um Abstand zu gewinnen.

In dieser Zeit kümmere ich mich zunächst um eine andere Geschichte – „Ein Zimmer auf dem Mars“ ist der Arbeitstitel. Und – zu mehr als einer ominösen Andeutung wird es an dieser Stelle nicht kommen – ein zweites #geheimprojekt zieht dieser Tage als Silberstreif am Horizont auf, das viiiiiiiel Einarbeitung für mich erfordert und mich in so fern wohl einige Monate beschäftigen wird. Eine Deadline für den Eisenmond setze ich mir also nicht, er ist fertig wenn er fertig ist – vermutlich aber nicht vor Mitte 2017.